"Wenn eine fremde Macht ein Volk ermahnt,
die eigene Nationalität zu vergessen,
so ist das kein Ausfluß von Internationalismus,
sondern dient nur dem Zweck, die Fremdherrschaft zu verewigen."
Friedrich Engels (1820-1895)
 

Die drei Hauptstrategien, um ein Thema zu vernebeln, sind das Einführen von Belanglosigkeiten, das Erzeugen von Vorurteilen und das Lächerlichmachen ... " Bergen Evans

 

Josef Thiel aus Grüben, Kreis Falkenberg:

„Ich war Totengräber im Lager Lamsdorf.“

Am 25. August 1945 wurde ich von polnischer Miliz in meinem Heimatdorfe, wo ich mich bei meinen Eltern befand, verhaftet, zugleich mit Josef 1)., Josef M., Franz Sch. Mit einem Wagen wurden wir nach Falkenberg zur Kreismiliz transportiert. Wir wurden in das oberste Stockwerk geführt. Ich mußte als erster in ein Zimmer zur Aufnahme. Es lag nach der Hofseite. Die Fenster wurden dicht gemacht. Man fragte mich nach meinen Personalien. Vor meiner Soldatenzeit war ich in der HJ. Dieses war Grund genug, in das Lager zu kommen. Anders war es bei meinen Kameraden. Sie gehörten keiner nationalsozialistischen Organisation an. Bei ihnen mußte erst ein Grund gefunden werden. Dies geschah unter Prügeln. M. wurde bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen.(...)

Nach 14 Tagen Kerkerhaft mußte ich mit vier Kameraden zur Vernehmung. Zwei kamen gleich an die Reihe. Ich und zwei andere mußten im Vorzimmer warten, das Gesicht gegen die Wand gerichtet, in strammer Haltung. Hinter uns saß ein Posten mit Gewehr. Die geringste Bewegung, und wir hatten den Gewehrkolben oder Stiefel im Kreuz sitzen. Aus dem Vernehmungszimmer hörten wir öfters dumpfe Schläge und Schreie. Endlich wurden wir in den Keller zurückgebracht.

Am Nachmittag mußten die beiden morgens Vernommenen noch einmal nach oben. Wir anderen drei durften im Keller bleiben. In den Nachmittagsstunden kamen elf neue Männer in den Keller. Sie waren aus dem Arbeitskommando der Russen entlassen worden. Der Pole hatte sie von der Straße aufgegriffen und interniert. Ähnliche Fälle wiederholten sich fast täglich.

Ich wurde am selben Tage noch zur Vernehmung geholt. Als ich verlauten ließ, daß ich in der Hitlerjugend und der Arbeitsfront war, bekam ich Faustschläge, desgleichen, als ich sagte, daß ich in Rußland gekämpft und dort den Arm verloren hätte.

Am übelsten waren meist die dran, die in keiner Nazi-Organisation gewesen waren. Sie wurden so schwer und so lange geschlagen, bis sie sich aus Angst zu einer Organisation bekannten.

Ich war drei Wochen in jenem Keller. In dieser Zeit ist mir nicht einmal zum Waschen Gelegenheit gegeben worden. Unsere Bedürfnisse mußten wir in einen Eimer verrichten, der im selben Raume stand, in dem wir hausten. Den Eimer mußte einer von uns einmal am Tage unter Aufsicht eines Milizmannes zum Entleeren heraustragen, dabei gab es jedesmal Kolbenschläge. Wir bekamen alle Läuse, die uns quälten, ebenso quälte uns die dumpfe Luft in dem finsteren Keller. (...)

Der Appell wurde genau wie am Abend gehalten. Am Ende wurden die Arbeitskommandos eingeteilt. Die nicht Benötigten und wir Neulinge mußten weiter exerzieren. Die Kommandos wurden nur in polnischer Sprache gegeben. Beim Abzählen sagten sie uns das erste mal die Zahl auf Polnisch, beim zweiten und jedem weiteren Mal wurden die Männer, die die Zahl nicht mehr wußten, schonungslos zusammengehauen. Drei Männer von meinem Transport verloren an diesem Morgen das Leben. Mir wurden anschließend sechs Mann zugeteilt, mit diesen mußte ich die Toten begraben. Nach dem Erschlagen waren sie von Männern hinter die Frauenbaracke geschleift worden und lagen nun im Grase, wo ich sie zuerst gar nicht finden konnte. Ich erkundigte mich bei den Frauen. Diese wollten mir zuerst keine Auskunft geben; denn sie waren eingeschüchtert, weil sie in ähnlichen Fällen schon sehr trübe Erfahrungen gemacht hatten. Schließlich zeigten sie mir die Stelle.

Dem ersten Toten hatten die Posten den Schädel eingeschlagen, so daß der Unterkiefer nur noch vom Kopf übrig blieb. Das Gehirn und Knochen lagen herum. Den zweiten hatten sie zertreten und die Kleider angezündet, so daß es nur wenige Überreste davon zu sehen waren. Der Körper selbst war stark angekohlt. Den dritten hatten sie auch zertreten. Während des Grabmachens kamen mehrere Posten zu uns heran. Bei dem ersten mußte sich G. aus Hilgersdorf auf den Bauch legen. Er bekam 25 Schläge mit dem Gewehrkolben. Nach einer Weile kamen drei andere. Jetzt mußten sich alle sechs nacheinander hinlegen und bekamen auch Schläge mit dem Gewehrkolben.

Willy B. aus Niederschlesien trug eine außergewöhnliche starke Brille. Als Brillenträger mußte er sich anschließend auf den Rücken legen und die Hände auseinander machen. Ein Milizmann sprang auf seinen Brustkorb und trampelte darauf herum. Ab und zu, wenn er wieder einen Schmerzensschrei ausstieß, trat er ihm auf den Kehlkopf. Ein anderer Posten stieß ihm anschließend das Seitengewehr zwischen die Rippen. B. bat darauf die Posten, ihn zu erschießen. Es wurde ihm hohnlachend geantwortet, er müsse langsam verrecken. B. wagte nicht, sich krank zu melden. Er suchte in der Nacht den freiwilligen Tod durch Erhängen mit den Hosenträgern.

Ab März 1946 gab es bei einer Lagerstärke von 500 Personen einen Zentner Kartoffeln, zwei bis drei Pfund Mehl und 150 Gramm Brot pro Tag.

An den Festtagen wie Weihnachten, Neujahr, Ostern gab es für alle nichts zu essen.

Auf jedem Internierten hat neben der täglichen Todesbedrohung das Bewußtsein schwer gelastet, verhungern zu müssen. Ohne Hilfe von außen wäre das in fünf Wochen geschehen. Verwandte und Bekannte, ja sehr viele Bewohner der umliegenden Ortschaften haben täglich Essen von weit hergebracht. Meine Mutter und Schwester brachten meinem Vater und mir fast täglich solches vom neun Kilometer entfernten Grüben. Manche kamen 20 Kilometer weit. Leider hatten viele keine Bekannten in der Nähe.

Die Leute mußten das Essen bei der Wache abgeben. Hier wurde es von den Posten durchsucht. Wenn ihnen etwas gefiel, nahmen sie es an sich, z.B. Kuchen oder Eier. Der Tabak wurde größtenteils immer weggenommen, wenn er auf ehrlichem Wege abgegeben wurde. Das Essen wurde von den Knaben des Lagers beim Posten abgeholt und zu den Leuten getragen.

Kinder sind oft vor Körperschwäche hingefallen. Waisenkinder sahen am schlechtesten aus. Viele Kinder sind in kurzer Zeit gestorben. Bis 700 Kinder können insgesamt im Lager gewesen sein, vom 25. Juli 1945 bis Juni 1946. Höchstens 300 sind lebend herausgekommen. Im März 1946 waren 84 Waisenkinder im Lager. Ihre Angehörigen waren im Lager umgekommen. Diese 84 kamen im Mai 1946 unheimlich verwahrlost heraus. Wenn von Kindern die Rede ist, handelt es sich immer um Kinder unter zehn Jahren. Altere mußten wie die Großen arbeiten.

Bei einem Gang durch das Lager am dritten Tage meines Aufenthaltes, am 17. September 1945, begegneten mir vier Posten, darunter war der Zugführer Ignatz, wegen seiner besonderen Mordlust „Mörderling" genannt. Auf seine Frage: Weißt Du, wie ich heiße?" sagte ich: Nein, Herr Kommandant." Er schlug mir mit dem Säbel über den Kopf, die anderen drei gaben mir Faustschläge. Darauf sagte mir der Zugführer, er sei der Panje Ignaz. Mühsam habe ich mich davongeschlichen. Bald verlor ich die Besinnung. Als ich wieder zu mir kam, hatte ich heftige Kopfschmerzen und geronnenes Blut im Gesicht. Ich ging zu meinen Leuten in die Baracke. Diese sagten mir, ich sei fast zwei Stunden weg gewesen.

Ab 20. September 1945 bis Mitte November 1945 habe ich die Toten beerdigen müssen. Es waren täglich fünf bis neun Tote.

Bis zu meiner Zeit wurden die Toten in Splittergräben verscharrt. Da kamen drei bis fünf Tote übereinander. Der Graben wurde der Erde gleichgemacht. Dieser senkte sich aber mit der Zeit, da wurde immer wieder Boden drauf gegeben. Hügel oder Blumen durften nicht draufgegeben werden. Als Frau D. aus Bielitz die Stelle ihres beim Appell erschlagenen Mannes, Albert D., mit einer Blume gezeichnet hatte, wurde sie ungeheuer geschlagen. Bei dem oben genannten Appell sind zu gleicher Zeit 1). und Josef D. aus Bielitz von einem Posten erschlagen worden. Alle drei waren alt und konnten die Bewegung nicht mehr exakt mitmachen.

Als ich das Totenbegraben bekam, waren die Splittergräben innerhalb des Lagers zu Ende. Es wurde ein neuer Friedhof angelegt. In Reihengräbern kamen die Toten nebeneinander. In der Reihe waren 170 Tote. Ein Hügel wurde im ganzen gemacht. Ein Verzeichnis, wie die Toten zu liegen kamen, durfte nicht angefertigt werden. Auf diesem Friedhof wurde bis Ende 1945 beerdigt. Dann wurde außerhalb ein neuer Friedhof angelegt. Dort wurde es auch so gemacht. Der bis März 1946 benutzte Friedhof ist eingeebnet, mit Kompost befahren und mit Gras besät. Von Eröffnung des Lagers am 25. Juli 1945 bis 6. Oktober 1945 - Absetzung des berühmten Kommandanten Gimborski  Gemborski, Czes³aw Gêborski)--- sind 90 Prozent aller Toten erschlagen, selten erschossen worden.

Während des Winters 1945 bis April 1946 wütete der Typhus im Lager. In dieser Zeit starben die Menschen wie die Fliegen. Medikamente, entsprechende Nahrungsmittel wurden nicht herbeigeschafft. Bei dem engen Zusammenwohnen und der Unmöglichkeit, sich sauber zu halten, mußte die Krankheit ungeheuer grassieren. Die Höchstzahl der Toten betrug bei einer Lagerstärke von 1.100 Menschen an einem Tage 22 Personen. Ich habe Kranke gesehen, denen die Läuse die Haut durchgefressen hatten, so daß die Brustkorbknochen frei zu sehen waren. Auf manchen saßen die Läuse millimeterdick.

Am 4. Oktober 1945 war ein Barackenbrand im Lager. Wir hatten früh morgens neun Tote begraben. Kaum hatten wir unsere Baracke betreten, da fielen mehrere Schüsse. Zu meinem Schrecken sah ich schwarzen Rauch im Lager aufsteigen. Es wurde gleich Alarm gegeben. Alle mußten zum Brand. Ich verstand es, mit meinen Leuten in der Baracke zu bleiben. Bei der Suche nach meinem Vater wurde mir gesagt, er sei beim Brand. Ich ging gleich darauf mit den restlichen Männern zur Feuerstelle. Wir waren kaum auf die Straße getreten, begegnete uns der Mörderling Ignaz. Er ließ uns halten, griff sich Emanuel M. aus Grüben heraus und legte dreimal mit der MP auf ihn an. Aber es war jedes mal ein Versager. Ignaz steckte die Patrone wieder ins Magazin und ließ uns weitergehen. Wir waren kaum 20 Schritte gegangen, ließ er uns wieder halten. Als er herankam, fragte er jeden nach der Parteizugehörigkeit. W. aus Karbischau meldete sich als einziger. Er mußte an den Straßenrand treten. Es krachten zwei Schüsse, und W. brach sterbend zusammen.

Als wir auf den Brandplatz kamen, lagen bereits mehrere Tote um die brennende Baracke. Ich mußte die Toten wegschaffen lassen. Es herrschte ein wüster Lärm. Die Menschen, auch Frauen, wurden gehetzt und gejagt, zu Boden geschlagen und erschossen. Wasser zum Löschen war nicht vorhanden, Handwerkszeug nicht ausreichend. Ein Teil der Männer mußte Sand auf die Dächer der nebenstehenden Baracken tragen, damit die Teerpappe nicht Feuer fing. Die restlichen Männer und Frauen mußten den Brand bekämpfen. Den Boden mußten sie mit Händen in Eimer kratzen. Die Frauen hatten zum großen Teil nur Schürzen, in die sie den Sand scharren mußten. Dann mußten sie den Sand in die Flammen schütten. Jeder, der nicht nahe genug an das Feuer ging, wurde in die Flammen gestoßen. Viele fielen dabei in den Flammen zu Boden. Die Stehenbleibenden wurden erschossen. Solche Opfer mußten aber gleich von Kameraden herausgeholt werden. Einige von diesen Opfern lebten noch, als sie aus dem Feuer herauskamen. Wenn sie Schmerzensschreie ausstießen, wurden sie zu Boden getreten. Wenige trugen das Los geduldig, bis sie den Geist aufgaben. Ein Langsamgehen gab es nicht; wer es tat, war ein Opfer der Willkür.

Als die Baracke fast abgebrannt war, mußten die Männer, so weit die Schaufeln reichten, eine Grube graben. Die restlichen Männer mußten die Toten heranbringen. Sie benutzten dazu Krankentragen und Decken. Ein solcher Trupp trug einen 20jährigen Mann. Diese Träger mußten das Lied singen: Ich hatt einen Kameraden." Dabei wurden sie noch getreten und geschlagen. Der letzte Tote war der Sanitäter F. aus Jatzdorf, Kreis Falkenberg. Dieser kam aus der Küche. Er hatte kaum die Straße betreten, da begegneten ihm einige Posten. F. wurde hinter die Baracke getrieben und erschossen. N. und Sch. aus Grüben mußten diesen Toten holen. Als sie ihn auf die Krankenbahre legen wollten, kam ein Posten hinzu; als er das Gehirn des Toten sah, forderte er die beiden Männer auf, es zu essen. Als sie sich weigerten, bekamen sie Kolbenschläge.

Dieser Brand forderte 40 Tote, 31 Männer und neun Frauen. Alle Frauen hatten Kinder im Lager. Es waren aber noch viele verletzt worden, z.T. durch Geschosse. Die Mehrzahl hatte leichtere und schwere Brandwunden. Einige sind an den Folgen gestorben. Wenn man die Panik beim Brande berücksichtigt, darf es nicht wundernehmen, wenn einige die Zahl der Todesopfer doppelt so hoch angeben. Es ist durchaus möglich, daß manche der ins Feuer Gestoßenen darin liegen geblieben sind, ohne von mir gezählt zu sein. Mein Vater trug eine so schwere Rauchvergiftung davon, daß er eine Zeit später starb. (...)

Insgesamt waren 14 Dörfer im Lager. Alle Altersstufen waren vertreten, vom Kind in der Wiege bis zum Greis am Rande des Grabes. Die alten Leute kamen gleich in das Krankenrevier. Dort wurden sie so kurz mit dem Essen gehalten, daß sie sehr oft nur wenige Tage im Lager lebten. Die Frauen mit den Kindern kamen für sich auf eine neue Baracke. Die Mädchen kamen ebenfalls allein für sich. Alles, was auf den Beinen stehen konnte, von zehn Jahren an, wurde zur Arbeit genommen. Die Frauen hatten oft nicht Zeit, sich selbst sauber zu halten, geschweige denn die Kinder. Diese sind sehr oft im Schmutz von Läusen und Wanzen angefressen worden. ...

Die Dörfer, die ins Lager kamen, waren: Bielitz, Neuleipe, Ellguth-Hammer, Steinaugrund, Lippen, Jatzdorf, Grodlitz, Kleuschnitz, Jakobsdorf, Groß Mangersdorf, Goldmoor, Hilbersdorf, Arnsdorf und Lamsdorf. Nur einige wenige, die man auf Gütern zur Arbeit benötigte, waren in den genannten Dörfern bei der Austreibung zurückgelassen worden.

Wenn einmal eine russische Kommission kam, wurde ihr gesagt, daß alle Männer PGs (Partei-Genosse), die Frauen und Kinder Angehörige von SA, SS und PGs (Partei-Genosse) wären. Die Lagerinsassen wurden niemals von einer solchen befragt. In solchen Stunden durfte sich kein Kind und keine kranke Person auf der Lagerstraße sehen lassen. Die Russen meldeten sich übrigens einige Tage vorher an, dann wurde im Lager alles gereinigt. Straßen und Rasen wurden gefegt. Die Splittergräben, in die bis September beerdigt wurde, sind wieder nachgefüllt worden, weil sie sich in kurzer Zeit senkten. Alles, was irgendwie zum Verdacht hätte Anlaß geben können, wurde möglichst abgeändert. Auch Nahrungsmittel wurden eilig für solche Fälle herangeschafft. So wurden z.B. die Bewohner des in der Nähe liegenden Bauschdorf mitten in der Nacht herausgepoltert und zur sofortigen Herausgabe von Nahrungsmitteln für das Lager angehalten, die schon in frühester Morgenstunde im Lager abgeliefert werden mußten.

Im Frühjahr 1946 forderten die ins Land gebrachten polnischen Bauern Arbeitskräfte vom Lager an. Fast täglich gingen Leute zu diesen ab. Mitte Juni mußten alle zum Lager Gehörenden zurückkommen. Am 19. Juni 1946 wurden frühmorgens die Familien zum Bahnhof gebracht, um sie ins Reich" zu transportieren. Beim Zusammenstellen des zweiten Transportes gegen Mittag war ich dabei. Noch 100 Männer und 20 Frauen wurden im Lager zurückgehalten und als Zwangs-Arbeiter behandelt.

Auf Veranlassung des 3. Kommandanten, im März 1946, mußte die Zahl der Toten vom 25. Juli 1945 bis März 1946 durch den Internierten A., früher Großkaufmann in N., festgestellt werden. Nach Papieren auf der Schreibstube errechnete A. die Zahl der Toten mit 3.112 Personen. Dazu kommen die vom März 1946 bis Juni1946 180 Gestorbenen. Beide Zahlen addiert ergibt die Todessumme von 3.292. Viele wurden aber schon vor der Registrierung erschlagen, die nicht mitgezählt sind. Sehr viele, die vorher entlassen wurden, starben wegen Erschöpfung und weil der Körper nicht mehr fähig war, Nahrung zu verarbeiten, bald nach ihrer Befreiung. So starb die Bielitzer Bauersfrau W. im Januar 1946 in Ritterswalde bei Verwandten. Es mögen nicht ganz 6.000 Internierte ins Lager gekommen sein.

Sehr schlimm im Lager hat der schon genannte Ignaz gewütet. Er hat beim Barackenbrand 14 erschossen und sich dessen gerühmt. Am Tage nach dem Brande hat er einen Internierten aus Schadeberg namens Mücke erschossen, der durch die furchtbaren Szenen beim Brande einen Nervenschock bekommen hatte. Die Bitte Mückes, ihn noch einen Tag leben zu lassen, um seine Frau noch einmal zu sprechen, wurde ihm nicht erfüllt. Am 27. Juli 1945 wurde nachts auf dem Appellplatz eine Übung gemacht mit 40 Internierten, die man am 25. Juli aus Falkenberg gebracht hatte. Diese dauerte drei Stunden. Es wurden 25 erschlagen und zertreten. 15 blieben übrig, die noch durch Knochenbrüche verletzt waren. Darunter war L. aus Goldmoor mit Armbruch. Von Anfang des Lagers bis September 1945 waren bei jedem Appell 10 bis 15 Tote.

Alle Toten starben ohne geistlichen Beistand. Als Pater D. aus Heiligenkreuz bei Neiße, Oberschlesien, von April bis Anfang Juni 1946 als Internierter im Lager war, war es ihm verboten, mit Erwachsenen zu sprechen und Seelsorge auszuüben.

Vor meiner Zeit als Begräbnismann sind manche Geschlagenen, die nur ohnmächtig waren, lebendig begraben worden. Wenn sie Boden auf den Leib bekamen, fingen sie an zu erwachen und zu schreien. Umso schneller mußte dann Erde gegeben werden.

Es gab auch ein Arrestlokal. Dieses war ein stockfinsteres Kellerverließ mit einem halben Meter Wasserstand. Darin mußten die Gefangenen oft viele Stunden stehen, auch Frauen.

Zu den Todesfällen sei noch bemerkt, daß einmal zur Vergeltung 20 Mann erschossen wurden, weil ein l7jähriger Junge aus dem Lager heimlich ausgerückt war. Frau Schm. aus Goldmoor wurde erschossen, weil sie kurz vor dem Wecken auf die Latrine gehen mußte. Der Bielitzer Bauer Josef S. wurde zur Wache geholt, dort blutig geschlagen und erschossen, weil er auf einem Arbeitskommando vorbeikommende Russen um ein Stück Brot gebeten hatte.

Ein Milizmann hat sich damit gerühmt: „Ich habe heute den 25. ins Jenseits befördert."

Lamsdorf war leider nicht das einzige Vernichtungslager der Polen nach ihrem Einzug in Schlesien. Ich glaube, diesen Bericht den Toten von Lamsdorf schuldig zu sein, von denen die meisten mit unerschütterlichem Gottvertrauen ihr schweres Los trugen, ihr Christentum in glänzender Weise bewiesen und heldenhaft starben.“ (Dok.V./1/2/Nr. 233.)

------------------------------------------------------------------------------------

Dr. med. Heinz Esser, der ehemalige Lagerarzt von Lamsdorf ( Die Hölle von „Lamsdorf") kommentiert den Bericht von Josef Thiel:

„Thiel hat nur einen kleinen Teil der wirklichen Vorgänge geschildert.“

1. Thiel hat in schlichter Art nur einen kleinen Teil der wirklichen Vorgänge aus eigenem Erlebnis ohne Aufforderung geschildert.

2. Die Schilderung entspricht den Tatsachen.

3. Max Hein wurde vor meinen Augen angeschossen, bis ich mich vor ihn stellte. Nachher wurde er durch Bajonettstiche (7 Stiche in den Brustkorb und in den Unterleib) erstochen.

4. Langer, Johann, der mit seinem Bart in einen Schraubstock eingeklemmt wurde, habe ich 2 Stunden später hinter einer Baracke aufgefunden. An der Leiche stellte ich zahlreiche schwere Mißhandlungs-Verletzungen, Verbrennungen des Gesichtes und Schädelbrüche fest.

5. Beim Appell gab es täglich bis zu zehn Tote. Entweder waren diesen die Halsschlagadern eingeschlagen oder zerrissen oder die Eingeweide eingetreten worden. Oft stellte ich nachher offene Bauchdecken fest, aus denen die Eingeweide herausragten.

6. Die meisten Todesursachen waren entweder Tod durch Mißhandlungen. infolge Aushungerung, Erstickung der Lebendbegrabenen oder Erschießungen.

7. Thiel war von den polnischen Partisanen als Totengräber eingesetzt und hat körperlich und seelisch Unvorstellbares erlebt. Er gehört zu denjenigen Überlebenden, deren Mißhandlungs-Erlebnisse und Aushungerungsfolgen von Amtsärzten und Sozialgerichten nicht gewürdigt werden.

8. Aus dem Lager Lamsdorf sind nur wenige mit dem Lehen davongekommen. In diesem Lager fand ein Massenmord statt, der in der Weltgeschichte hinsichtlich seiner Brutalität einzig dasteht und so scheußlich war, daß er in der Phantasie nicht ausgemalt werden kann, weil die Folterungen und Tötungen in ihrer grausigen Wirklichkeit jede menschliche Vorstellungskraft überschreiten.

9. 19 Jahre danach habe ich pflicht- und verantwortungsbewußt getreu meinem ärztlichen Eide Gutachten über Lebende dieses Lagers ausgefertigt, die sowohl dem Richter als auch dem amtlichen ärztlichen Gutachter ein objektives Bild für die Beurteilung abgeben sollen, welches leider noch vielen unglaublich vorkommt, da es einmalig ist und sehr oft die Schilderungen deutscher KZ-Lager hinsichtlich sadistischer Grausamkeit übertrifft.

Die Frage an das Weltgewissen lautet immer noch, wann wird die Bundesregierung die dokumentarisch erwiesenen und historisch begutachteten Vorgänge für die Welt veröffentlichen, damit Unrecht gegen Unrecht aufgewogen werden kann?


Erna Kelm, Diakonisse aus Bromberg, berichtet über das Lager Potulice:

„Wie sollen wir nur die Kinder anfassen, sie zerbrechen uns in den Händen."

Ich war von November 1945 bis September 1947 dort und will aus eigener Erfahrung schildern, wie es dort zugeht. Es gehörten 29.000 Deutsche zu diesem Lager. Die meisten waren auf Arbeitskommandos außerhalb, 4.000 etwa im Lager.

Beim Eintritt in das Lager beginnen die ersten Grausamkeiten, und bei der Beerdigung hören dieselben auf. Bei der Revision wurde den Menschen alles, was sie noch an guten Sachen, auch Photographien, besaßen, fortgenommen. Die l4tägige Quarantänezeit ist, seit der jetzige Chefarzt dort ist, besonders im Winter, weil die Baracken nicht geheizt werden, eine Qual; Strohsäcke gibt es in diesen Baracken nicht. Soweit die Menschen im Besitz von Betten und Kopfkissen sind, werden diese ihnen abgenommen, über eine Decke verfügen die meisten nicht. So wissen sie nicht, was sie auf die Bretter legen und womit sie sich bedecken sollen. Die Fenster mußten auch bei starkem Frost geöffnet sein.

Traf der Chefarzt, Dr. Cedrowski, ein nicht ganz geöffnetes Fenster oder eine Frau, die wegen ihres geschorenen Kopfes bei strenger Kälte eine Kopfbedeckung hatte, so erfolgten Strafen: Ohrfeigen, Kniebeugen, stundenlanges Sitzen in Hockstellung bei offenem Fenster und halb entblößtem Oberkörper. Eine schlimme Strafe ist, den Zementfußboden im Flur den ganzen Tag über immer wieder wischen, auch wenn die Knie schon wund sind. Geht der Chefarzt in den nächsten Tagen durch die Baracken und sieht die wunden Knie, da sagt er: Gut so, weitermachen!" Zuweilen wird Frauen der Kopf trocken rasiert, was besonders schmerzhaft ist.

Nach der Quarantänezeit kommen die Aufgenommenen zu allerlei Arbeiten. Bei den Arbeiten auf dem Gut, in der Gärtnerei und sonstigen Arbeiten, die außerhalb des Lagers verrichtet werden, wurden die Menschen sehr geschlagen. Kommt dieses der Lagerleitung zu Ohren, und es wird der Fall untersucht, werden solche Zeugen herangeholt, die nichts Bestimmtes aussagen können. Sagt ein Zeuge die Wahrheit, so wird er am nächsten Tage so geschlagen, daß er nicht imstande ist, noch einmal darüber zu sprechen. Ich habe oft Körper gesehen, an denen keine weiße Stelle zu entdecken war.

Eines Tages wurde eine Frau bei der Arbeit erschossen, angeblich wegen Fluchtverdacht, was aber nicht auf Wahrheit beruhte. Daraufhin wurde der schrecklichste Milizmann mit einigen Deutschen hingeschickt, die Leiche zu holen. Diese wurde auf Forkenstiele gelegt, und acht Frauen mußten sie tragen. Die anderen der 150 Personen, die dort arbeiteten, wurden aufgefordert, sich quer über den Weg zu legen, und die Frauen mußten mit der Leiche laufend über diese hinweggehen. Diejenigen, die die Leiche trugen, wurden sehr geschlagen, denn beim Laufen kam es vor, daß die Leiche ihnen von den Forkenstielen herunterfiel. Einem jungen Mädchen hatten sie das Fleisch von den Wadenknochen abgeschlagen. Als das Fleisch später in Fäulnis überging, wurde sie ins Spital eingeliefert und starb an den Folgen.

Eine andere Frau kannte die Ordnung noch nicht, da sie den ersten Tag bei der Arbeit war. Sie entfernte sich, um ihre Notdurft zu verrichten. Daraufhin wurde sie so geschlagen, daß sie ins Lager getragen und ins Spital eingeliefert werden mußte. Außer dem Gesicht war von den Knien bis zu den Händen der Körper nicht blau oder grün, sondern kohlschwarz. Eine Stunde nach ihrer Einlieferung war sie eine Leiche.

Besonders gequält wurden die Menschen im Winter 1946/47 bei der Waldarbeit. Männer und Frauen mußten Stubben (Baumwurzeln) roden. Die Erde war hart gefroren. Auch hier reichten die Kräfte nicht aus, um das ihnen auferlegte Pensum zu schaffen. Männer mußten in die Löcher der ausgerodeten Stubben hinein. Dann wurde über ihre Köpfe hinweg geschossen, um sie zu schrecken. Auch blieben hier die Schläge nicht aus. Hierauf legte man ihnen eine Kette um, und die anderen mußten sie herausziehen und auf dem Schnee herumschleifen. Ein besonders elender Mann machte in seiner Verzweiflung eines Nachts seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Frauen mußten mit einem großen Arbeitswagen all die Stubben aus dem Walde ins Lager fahren. Auch diese wurden, weil sie die Last in dem Schnee nicht ziehen konnten, durch Fußtritte, Kolbenstöße und dergleichen mißhandelt.

Besonders übel sind die Frauen dran, welche dem "schweren Wagen" zugeteilt sind. Dieser Wagen muß täglich, im Winter dreimal in ein 3 km von Potulice entferntes Sägewerk nach Brettern und Bohlen fahren. Die Last, welche 12 bis 15 Frauen ziehen müssen, beträgt 50 bis 75 Zentner. Auch hier wird tüchtig durch Fußtritte und Kolbenstöße nachgeholfen. Als ich selbst einige Tage an diesem Wagen war, und wir, fast bis zur Erde geneigt, den Wagen zogen, dachte ich, wenn dieses Bild doch nur durch eine Aufnahme festgehalten werden könnte! Wenn man es nicht miterlebt hat, kann man es nicht glauben und sich keine Vorstellung davon machen.

Eine Hilfsschwester wurde eines Tages von dem Chefarzt auch an den Wagen beordert. Der Chefarzt hat nur das Recht, für einen Tag die Leute mit dem schweren Wagen zu strafen, alle weiteren Tage müssen durch den Leiter des Lagers gehen. Er sorgt dann aber schon dafür, daß es mit dem einen Tage genügt. Der Grund war, daß sie einem Manne Brot von solchen Patienten gab, die ihrer Krankheit wegen nicht essen konnten. Sie sollte für eine Nacht in den Leichenkeller gehen, verweigerte dieses mit den Worten: „Ich will zum Rapport gemeldet werden." Das ist die neueste Erfindung des Chefarztes, daß das zu bestrafende Personal für eine Nacht in den Leichenkeller gesperrt wird. An dem Abend wurde ihr gleich das Haar, welches erst 3 cm lang war, wieder ganz kahl geschoren. Am nächsten Tage ging sie an den schweren Wagen. Die Wachmänner waren vom Chefarzt eingeweiht. Sie mußte in der weißen Schürze gehen, damit sie gleich erkannt wurde. Am Vormittag wurde sie schon sehr geschlagen, aber am Nachmittag bekam sie soviel Schläge, daß sie nicht mehr allein ins Spital gehen konnte. Fast zwei Wochen mußte sie liegen, ehe sie imstande war, sich bewegen zu können. Damit dieses nicht in der Krankengeschichte festgehalten wurde, mußte sie, was sonst nicht erlaubt war, im Personalzimmer liegen.

Die schwerste Strafe ist der Bunker. Hier kommen die Menschen ganz entkleidet hinein. Täglich wird ihnen ein Eimer kalten Wassers über den Kopf gegossen, und sie müssen Tag und Nacht im Wasser stehen. Die Männer bekommen 25 Hiebe auf die Fußsohlen, und die Frauen werden in die Leistengegend geschlagen.

Es wurden Menschen aus dem Bunker ins Spital eingeliefert, bei denen sich das Fleisch von den Knochen löste und sie bald ein Opfer des Todes wurden. Das Schlagen im Bunker besorgte der Chefarzt mit dem Platzkommandanten. Als im vorigen Sommer [1947] die größten Quälereien verboten wurden, nahm man die zu Bestrafenden in das Büro der polnischen Gestapo oder in das Zimmer des Chefarztes. Dort wurden sie furchtbar geschlagen.

Um einen guten Gesundheitszustand vorzutäuschen, ist der Chefarzt sehr darauf bedacht, daß die Zahl der Belegschaft im Spital nicht zu hoch wird. Oft werden die Leute erst dann aufgenommen, wenn sie schon bald halb tot auf der Bahre hereingetragen werden. Viele brauchen gar nicht mehr in das Bett hineingelegt zu werden, sondern sterben schon auf der Bahre. Andere werden oft, unfähig allein gehen zu können, entlassen. Die Zahl der Toten betrug täglich 10-12 Menschen.

Erschütternd sind die Verhältnisse in den drei Baracken für Alte und Arbeitsunfähige. Etwa 1.500 Menschen sind in diesen Elendshütten zusammengepfercht. Schlimm ist, daß die Geisteskranken ohne Pflege und Aufsicht unter den Alten untergebracht sind. Viele Alte sterben an Hunger, andere sind so elend, daß sie des schlechten Eindrucks wegen, den sie in der Öffentlichkeit machen würden, nicht nach Deutschland abtransportiert werden, sondern auf ihren Tod warten müssen. Viele Kranke im Lager müßten operiert werden. Der Unkosten wegen geschieht dieses nicht. Der Chefarzt gibt auch auf große Bitten der Betreffenden, sie doch für den Transport freizugeben, nicht seine Erlaubnis. So müssen sie im Lager elend zugrunde gehen.

Innerhalb zweier Jahre waren im Lager Potulice ca. 800 Kinder. Die Zahl der Säuglinge wechselte zwischen 30-50. Die Säuglingsbaracke, welche gleichzeitig auch Entbindungsstation war, wurde schön hergerichtet. Das geschah aber nur aus dem Grunde, daß alles einen guten Eindruck machte, wenn die Kommissionen durchkamen und diese dann in der Presse davon berichten konnten. Doch keiner fragt, wie viele Kinder in den schönen, weißgestrichenen Bettchen verhungert und erfroren sind.

Wenn eine Kommission angesagt war, wurden die Baracken geheizt. Sobald die Herren aber hinter dem Tor waren, bekamen die Männer, die die Heizung bedienten, den Befehl, das Feuer ausgehen zu lassen. Als die Sterbezahl der Kinder zu hoch wurde, stellte man einen Ofen auf. Dieser konnte aber nur mit nassem Sägemehl geheizt werden. Daher rauchte er so fürchterlich, daß die Fenster geöffnet werden mußten.

Die Nahrung der Säuglinge bestand monatelang aus Wassersuppen. Ging man des Morgens um 4 Uhr an der Baracke vorbei, dann meinte man, das Blöken der Lämmer, aber keine Kinderstimmen zu hören. In kurzer Zeit sind von 50 Säuglingen nur zwei am Leben geblieben. Von diesen zweien hatten die Mütter Gelegenheit, ihnen zusätzlich etwas zu geben. Eines Tages ging ein polnischer Herr durch die Baracke. Als er die Kinder sah, meinte er, die müßten Milch haben. Die Antwort des Chefarztes war: Es genügt, wenn es auf dem Papier steht." Anderen Herren wurde erzählt, daß die Kinder Butter und Milch bekämen, welches gar nicht der Wahrheit entsprach.

Die Kinder von 1 1/2 bis 10 Jahren befanden sich in einer Kinderbaracke. Diese durften bis Mai 1947 nur mittags etwas draußen sein. War der Chefarzt, Dr. Cedrowski, aber im Lager, wagte es kein Kind, herauszugehen. Den ganzen Tag hockten sie eingeschüchtert und verängstigt auf den Betten.

Zu den grausamsten Tagen zählen auch die, wenn die Mütter mit ihren Kindern, soweit sich diese im Lager befanden, auf dem Platz antreten mußten, die Kinder ihnen fortgenommen wurden, und sie nicht wußten, wo sie blieben. Weinten die Mütter, dann bekamen sie Kolbenstöße. Viele Mütter haben nie mehr etwas von ihren Kindern erfahren.

Im Jahre 1946 kamen viele Kinder in das Kinderheim nach Schwetz. Als dann später wieder ein Transport dorthin ging, konnte ihn eine deutsche Frau, die als Schwester im Lager arbeitete, begleiten. Als diese sich dort, im Auftrage einiger Mütter, nach deren Kindern erkundigte, wurde ihr gesagt: „Es sind Tausende von Kindern hierher gekommen, wir konnten sie listenmäßig nicht erfassen. Die meisten waren noch so klein, daß sie ihren Namen nicht wußten, sehr viele sind gleich von polnischen Leuten abgeholt worden, wir wissen nicht, wo sie sind."

Als eine Anzahl von Müttern zum Transport ins Reich bestimmt waren und diese ihre Kinder durch das Rote Kreuz suchen ließen, wurden einige Kinder zurückgeführt, welche schon einen polnischen Namen trugen. Darum braucht man sich nicht zu wundern, daß - man kann wohl sagen - Tausende nicht mehr ausfindig gemacht werden können. Auch hat man sie so stark in andere Kinderheime, wie z.B. Bromberg, Schubin, Hohensalza, Tuchel, Konitz, Thorn und verschiedene andere gepreßt, daß ein großes Massensterben einsetzte. Eine Mutter hat von fünf Kindern nur noch eins zurückbekommen. Dieses ist aber kein Einzelfall.

Kinder im Alter von 8 Jahren mußten bei polnischen Bauern Pferde putzen, pflügen, eggen und alle anderen Landarbeiten verrichten. Ein Kind erzählte mir mit Tränen in den Augen, daß es sich zum Putzen des Pferdes einen Schemel herangestellt hat. Drehte das Pferd sich, dann fiel es in den Dung. Kam der Bauer, und das Mädelchen war mit dem Putzen nicht fertig, so wurde es geschlagen.

Ein anderes Mädchen berichtet: Ich kam zu einem polnischen Bauer. Das Ehepaar war kinderlos, und so wollte man mich für eigen annehmen. Ich wollte aber deutsch bleiben. Als ich darauf bestand, wurde ich viel geschlagen." (Dieses Mädchen war 10 Jahre alt.) Schickte ihre Mutter ihr Sachen, so wurden sie ihr nicht ausgehändigt. Von März 1945 bis Dezember hat sie alles getragen. Als es aber zu Weihnachten ging, schrieb das Kind alles seiner Mutter, welche 40 km entfernt auf einem Gut arbeitete. Als die Mutter den Brief erhalten hatte, wurde sie an einem Morgen tot im Bett, den Brief vor ihr liegend, aufgefunden. Der Arzt stellte fest, daß sie an Herzkrämpfen gestorben sei. Helga - so hieß das Kind - erhielt ein Telegramm. Aber die Polin erlaubte nicht, daß sie zur Beerdigung fuhr. Das Kind wurde sehr von Selbstmordgedanken geplagt, weil es sich sagte: Hätte ich nicht alles meiner Mutter geschrieben, lebte sie heute noch.

Auch war es nicht erlaubt, daß Geschwister miteinander sprachen. Eines Abends hatte ich dienstlich in einer Kinderbaracke zu tun. Ein Junge, 13 Jahre alt, war ins Lager gekommen und hörte, daß seine Schwester, 9 Jahre alt, in der Baracke sei. Er kam an die Baracke, sie freuten sich des Wiedersehens nach fast drei Jahren. Der Platzkommandant traf die beiden an. Der Junge bekam einen Schlag ins Genick, daß er zu Boden fiel. Hierauf bekam er Fußtritte, daß einem beim Anblick fast das Herz brach. Von wie vielen Fällen könnte man noch berichten!

Grausam war die Behandlung deutscher Kinder in Polen. Es ist mir unverständlich, daß Herren, die keinen Einblick in die Grausamkeiten, die an Deutschen und auch an Kindern geschehen sind, es weitergeben, daß diese Tatsachen nicht der Wahrheit entsprechen. Augenzeugen stellt man als Lügner dar, deshalb, weil die Kinder jetzt gut genährt aus Polen kommen. Es ist aber wohl nicht bekannt, daß alle zum Transport bestimmten Kinder vom Arzt untersucht werden müssen. Alle zum Transport bestimmten Personen, ob Erwachsene oder Kinder, die elend sind, und Aufsehen erregen würden, werden jeweils sofort gestrichen.

Als der Transport im September 1947 ging, war Chefarzt verreist, daher war die Auslese nicht so stark, und es kamen auch elende Kinder mit. In Breslau wurden die 154 Waisenkinder zurückbehalten. Ich blieb bei den Kindern. Masern brachen aus, und die Kinder mußten ins Krankenhaus geschafft werden. Polnische Schwestern sagten in meiner Gegenwart: „Wie sollen wir nur die Kinder anfassen, die zerbrechen uns in den Händen!" Es kamen sogar diesen Schwestern die Tränen in die Augen.

Die Kinder gehen nur in Lumpen gehüllt. Einen Tag, bevor der Transport geht, müssen alle antreten, und dann bekommen sie Sachen. Bis dahin kümmert sich keiner um die Bekleidung. Im Gegenteil, wenn sie ins Lager kamen und einzelne noch über ein gutes Stück verfügten, verschwand dieses. Jetzt, da die Polen sahen, daß sie durch die Transporte nicht mehr alles verbergen können und auch die Kinder nicht alle zurückbehalten werden dürfen, bekommen sie eine gute Zuteilung. Doch man kann die Schandtaten der drei Jahre damit nicht zudecken.

In einer Webseite aus Norwegen - www.deutsche-zeitung.com - wurde dieses, im ungekürzten Original noch viel grauenhaftere Dokument, aus der polnischen Hölle veröffentlicht:

Der Autor des Interviews mit dem Stellvertreter des Kommandanten von Lamsdorf, Ignac SzypuIa, ist der bekannte Schriftsteller Janusz Rudnicki. Der Kommandant von Lamsdorf, Czeslaw Geborski (Gêborski, Gemborski), wohnt in der Nähe der Staatsanwaltschaft in Kattowitz und bleibt weiterhin unbehelligt von Justitia.

Auszug aus der Henker von Lamsdorf, Ignacy Szypula, berichtet:

“.... ich lebe noch. Aber kann sterben. Ich gehe zu Ende wie dieses Jahrhundert, Jahrhundert des Teufels, jeder muß mir Recht geben. -

Nicht mehr lange gehe ich dort, wo ich selbst geschickt habe.

Wie viele? In Deutschland leben noch ein paar, die scheißen weich, wenn sie meinen Namen hören, reicht es?

Ich heiße Ignac Sz. (Szypula), im Lager bekannt als "pan Ignac" (Herr Ignatz). In unserem Lager, für sie (die Deutschen).

Tod für Tod. Dachten, daß was, daß sie ein Patent haben zum Töten? Wer sollte Gerechtigkeit ausüben, die Geschichte? Und warum nicht ich, ein Pole? Mit Namen Ignac, Nachname Sz.?

Sofort, auf der Stelle und von der Hand.

Den Verstand habe ich nicht löffelweise gegessen, aber das Hirn habe ich anderen befohlen zu essen, direkt von der Erde, reicht es?

Ich beginne von Anfang.

Man sagte mir kurz, "du wirst im Lager arbeiten." Sie gaben keine Richtlinie. Sie sagten, du kennst deutsche Lager, selbst hast du gesessen, dein Chef G. auch, da wißt ihr ja. Gut.

Zuerst mußte man kraft des Abschnittes XIII des Potsdamer Vertrages das Gesindel zusammenklauben. Dreieinhalb Millionen dieses haben wir nach Deutschland ausgesiedelt. Verifiziert, ausgesiedelt und umgesiedelt. Alles, was deutsch, nach Deutschland! Und da schnell!

Im Juli 1945 lagerten am Bahnhof in Oppeln 20.000 Unsere aus dem Osten! Sollten wir warten? Bis was, daß die Deutschen von selbst verschwinden? Wir haben ihnen das Leben schwer gemacht, wie wir nur konnten. Sie versteckten sich wie Mäuse, wenn sie einen von uns in Uniform sahen, aber sie saßen.

Wir packten ihnen die Repatrianten in ihre Häuser. Mußten zusammen wohnen, sie erstickten fast wie in der Hölle, aber sie blieben.

Wenn so, da haben wir angefangen. Von Bielic. Wir sind angefahren mit LKW im Morgengrauen. Das Militär umzingelte das Dorf und wir, die Miliz, und die Sicherheitspolizei zogen sie aus den Häusern. Alles, was deutsch ist, in 5 Minuten raus. Sachen auf sich und auf die Weide, mit dem Vieh! Wußten nicht wozu, wußten nicht wohin; wie das: wohin?!

Raus aus Polen! Nach Deutschland! Nach Hause! Mit kleiner Haltestelle für eine Übergangs-Ruhepause, in Lamsdorf. Beim "Herrn Ignac".

Manche kamen aus dem Haus barfuß, direkt aus dem Bett, manche mit schlafenden Kindern auf dem Arm. Manche wollten uns narren, probierten polnisch
zu sprechen, nix da, an den verlausten Kopf und raus aus der Bude. Jetzt sind sie Polen!?

Mit der Hand Kopfschläge oder mit dem Kolben und auf den Weg.

Haj-li Haj-lo, Haj-la, Hitler-Lieder befahlen wir ihnen zu singen. Unterwegs auch in die Schnauze (po drodze te¿ wpierdol).

Heiß war es, schleppten sich, da prügelten wir. Alte mußten gestützt werden, von den Jungen. Damit sie das Tempo mithalten konnten.

Wir trieben sie aus Gracz, Jaczowic, Jakubowic, Klucznika, Korfantowa, Kuznicy Logockiej, Ligoty Tulowieckiej, Lipowa, Lipna, Magnuszowie, Oldrzyszowic, Przechoda, Szydlowa, an alle kann ich mich nicht erinnern. Zusammen waren es an die 30 Dörfer. Etwas trieben wir auch zusammen aus Niemodlin und Prudnik.

Sie gingen nach Lamsdorf wie die Ameisen unter unseren schweren polnischen Stiefeln.

Es gab auch welche, die sangen "Pod Twoj¹ Obronê" (Unter deine Obhut Herr). Jetzt da sind sie Polen!

"Arbeits-Lager in Lamsdorf", so war die Überschrift über dem Eingangstor. Jetzt werdet ihr sehen, was ihr ausgedacht habt.

Ich habe es ausgedacht? Oder irgend ein Pole? Mich anklagen? Für was? Ich habe ausgedacht das Töten Unschuldiger für Schuldige? Ich habe ausgedacht das Gipsbett für meinen Vater?

Im Lager hinter dem Tor wartete auf sie die Gerechtigkeit. Wartete auf sie unser Chef, Czeslaw Geborski, 20 Jahre alt, so wie wir. Unser Mann, von den Deutschen hat er seins gelitten. War bei unseren Partisanen. 1944 fiel er in ihre (deutschen) Tatzen und saß im Lager Myslowitz. Partisanen-Abteilung (Czarny) befreite ihn aus dem Transport nach Auschwitz.

Gleich 1945 nach der Befreiung trat er in die MO (Bürgeriniliz) ein, um in Schlesien die Deutschen auszurotten. Jung war er und schon Feldwebel.

Wartete auf sie sein Stellvertreter Stanislaw D., Edek Z., Antek K., unser polnischer Deutsche Jan F., und Herbert P. .und andere und auch ich, die rechte Hand des Chefs, Ignac (Ignatz).

Die Gerechtigkeit ließ sie vor der Baracke stehen und warten auf die Registrierung, es konnte auch mal den ganzen Tag sein.

Die Registrierung haben wir angefangen mit einer gründlichen Durchsuchung. Wir nahmen alles. Eine versteckte ihren Ring in den Haaren, wir schnitten sie ab. Wir nahmen und prügelten. Mit Kolben, Händen, Füßen. Alte, Junge, Frauen. Alles, was sich bewegte, außer Kindern. Zum "Guten Morgen", psychologisch, wie der Czesiek Geborski sagte, damit man den Gehorsam in ihnen zupflügt.

Ich erinnere mich, wie wir solchen sechs Helme auf die Köpfe setzten und prügelten drauflos so lange, bis Blut über die Aügen floß. Die hatten trotzdem noch Glück.

Einmal erblickten wir einen mit einem Bart, der kam gar nicht in die Baracke zur Registrierung, Judas. Johann hieß er, Johann L. Wir zogen ihn am Bart in die Werkstatt und dort schraubten wir ihm den Bart in den Schraubstock und zündeten den Bart an, damit er aussieht wie ein Bettler. Er schrie, daß er Kinder hat. Die Reste vom Bart schnitten wir mit dem Messer ab, mit der Haut!

Mit Zangen rissen wir ihm die Fingernägel aus, einen nach dem anderen. Dann steckten wir ihm eine Schulter in den Schraubstock und brachen sie. Mit der anderen dasselbe.

Dann haben wir angefangen, ihm mit Schlüsseln auf den Kopf zu klopfen, puk, puk, ist da wer? Und dann hämmerten wir auf den Schädel, es gluckste, Knochen krachten…

Geteilt haben wir die Baracken so:

Für Männer, für Frauen, Frauen mit Kindern und Frauen, die arbeiten konnten. Und Ruhe. Keiner kennt den anderen. Sollte irgendein Mann zu seiner Frau ein Wort sagen oder eine Frau zu ihrem Mann oder Kind sagen, Prügel. 25 Schläge.

Einmal sah eine Frau ihren Mann, lief zu ihm, was haben wir gemacht.

Drei Tage in der Sonne ohne Essen und Trinken. Sie hielten sich an den Händen und lagen. Es gab kein Mitleid.

Von der Erde in die Krankenstube, von der Stube unter die Erde!

Einer hat mich mal gebeten, ich möchte ihn doch nicht töten, sondern erst nächsten Morgen, er möchte gern noch seine Frau sehen, er hat sie nicht gesehen!

Meine Nummer 14 am Tag der Feuersbrunst, aber ich komme noch darauf.

Der Tagesablauf sah so aus: Um 6 Uhr wecken, aufstehen und auf den Platz. Laufen - fallen - kriechen - laufen. Alt nicht alt. Krank nicht krank, "Morgengymnastik" auf polnisch. Kommando und abzählen auf polnisch, von eins bis wie viele es waren.

Wer nicht konnte, wer falsche Zahl zahlte, Prügel, alt oder krank. Mit Knüppeln, Füßen, Händen. Wir prügelten so lange, bis.... Wer krepierte, der krepierte. Schuhe runter und ins Loch mit dem Aas. Manchmal, zum Zeitvertreib, befahlen wir einigen, auf die Bäume zu klettern bis in die Wipfel. Andere wiederum mußten die Bäume absägen. Sie sind runtergefallen wie Birnen.

Gemborski hat mal einem befohlen, auf den Baum zu klettern und schreien, ich bin ein Affe! Und wir haben geschossen, bis er runterfiel! Schuhe runter und ins Loch, ob er lebte oder nicht, seine Sache. Dann Appell, Einteilung in Arbeitsgruppen im Lager und außerhalb. Um 12 Uhr Ruhepause, dann wieder Arbeit, am Abend, um 20 Uhr Ruhe.

Ich sage Prügel, aber solche Prügel muß man sehen! ... Wir droschen, wie das Korn auf der Tenne. Haut und Fleischfetzen hingen in Streifen. Sie lagen in der Krankenstube und waren am Krepieren. In den Wunden tummelten sich Klumpen von Fliegen. Eins sage ich dazu, daß keiner von uns sie vergewaltigt hat. Der Tod war für sie die Erlösung. Sie starben an Blutvergiftung.

Wir hatten keine Pferde, da haben wir vor den Pflug und die Egge Männer vorgespannt. Vor den Pflug 12, vor die Egge 8 bis 12, es kam darauf an, wie stark sie waren. Es kam vor, daß auch Frauen ziehen mußten. Wir hatten keine Autos, da spannten wir sie auch vor einen Wagen oder Anhänger, um Proviant zu holen, z.B. Oder vor eine Kutsche, um mit dem Kommandanten spazieren zu fahren.

Wie richtige polnische Herren!

Fünfzehnten September spannten wir vor den Wagen 16 Mann, denn wir mußten schweres Gerät ins Dorf bringen. Wir prügelten sie mit Stöcken, was das Zeug hielt, sie schafften es. Auf dem Rückweg, im Wald, haben wir etwas herumgeschossen. Die Hälfte von ihnen (Männern) haben wir mit Schüssen zum Teich getrieben und ersoffen. Sechs davon haben uns zum Lager gezogen. Drei davon haben vor Schreck die Sprache verloren, einer hat sich selbst erhängt.

Wir schossen auf die Leute in den Bäumen, wie auf Affen, schossen in die Leute wie auf Fliegen. Einmal sind zu viele Weiber in die Latrine reingegangen, ich schoß eine ganze Serie in sie hinein.

Manche bekamen in den Bauch, andere in die Brust. Die Kugeln trafen wie das blinde Los.

Stöhnten, jammerten, röchelten. Ins Loch damit! Damit keine Spur bleibt, unter die Erde. Sie bogen und krümmten sich in der Erde, wie große Würmer, wir schütteten sie mit Sand zu. "Herr

Ignac" kannte kein Mitleid. Aber jeder kannte "Herrn Ignac". Höchstens, daß nicht, da prügelte ich, oder ich gab Befehl zum Prügeln.

Zwei junge Hurensöhne gingen an mir vorbei, so an die 15 Jahre. Weder "Achtung", Morgen", Einer musste den anderen prügeln. Über einen Hocker und 25 auf den Arsch. Geschont haben sie sich, da habe ich ihnen gezeigt, wie es geht. Mit einem dicken Kabel. -

Wir prügelten und töteten. Wir haben sie ausgesiedelt aus dieser Erde. Lehrer, Pl Beamte, Kaufleute, Geistliche haben die Vorfahrt gehabt. Wir begossen sie mit Sejche, bewarfen sie mit Scheiße, unter die Fingernägel trieben wir ihnen Nägel ein.

Einem Schuster aus Bielic, 58 Jahre, (1 sprang ich so lange auf dem Rücken herum, bis er krepierte. Seinem Kumpel aus demselben Dorf, 65 Jahre, kam das Hirn heraus, so habe ich ihm mit in dem Kolben den Schädel zertrümmert. Einen erschoß ich, weil er Brillen trug, so ein Intelligent. - --

Zusammen mit dem Chef, Czeslaw G., haben wir dem Lehrer Wolf aus Bielic mit der Säge sein krankes Bein abgesägt. Er schrie sich zu Tode. Wir erschossen eine Frau im 9. Monat schwanger -. dann auch ihre kleine Tochter, als sie Blumen legte auf das Grab der Mutter.

Auf dem Lagergelände streunten Tag und Nacht hungernde Kinder. Waisen oder Getrennte von ihren Müttern. Bettelten vom Fenster zum Fenster und starben leise.

Eines Tages gaben wir bekannt, da» wir in der Baracke Milch haben für die Kinder. Sie kamen, wir erschossen sie!!!Janek F. war gut, er mußte gut sein, denn bis zum Ende war er nicht einer von uns.

Eine Mutter mit ihrem Baby auf dem Arm bat um Suppe, er schlug zu, direkt aufs Köpfchen. Und dann prügelte er die Mutter, sie floh vor ihm mit einer roten Kugel im Arm (blutiges Köpfchen des Kindes).

Wir klopften ihm anerkennend auf die Schulter, daß er wenn auch nicht einer von uns, so doch wie unser. Janek F. tötete zig Babys, gleich zwei auf einmal. Er zertrümmerte die Köpfe, indem er sie zusammenschlug.

Wir verboten für die Toten Kreuze aufzustellen.

Paar Frauen mit Kindern wollten es doch tun, fielen erschossen gleich auf ihre Männer, Väter und Kinder. Wen wir nicht erschlagen haben, der krepierte an Hunger oder Krankheit. An Typhus starben sie wie die Fliegen. Läuse fraßen ihnen die Haut so, daß man blanke Rippen sehen konnte.

So oder so haben wir zu wenig getötet. Czesiek G. wollte wenigstens zehn (10) am Tag.

Später mehr und mehr, Dörfer mußten schließlich geräumt werden für unsere, aus dem Osten, denn sie nächtigen im Bahnhof in Oppeln, aber das habe ich schon geschrieben.

Am 4. Oktober zündeten wir zusammen mit D. die Baracke Nr. 12 an. Vorher haben wir alle getrunken.

Da war nicht was zu löschen, aber den Frauen haben wir befohlen, Wasser und Sand zu schöpfen, den Männern das aufs Dach tragen, schütten und löschen. Wir schossen, wenn sie runter wollten. Das Dach ist eingebrochen, die Männer fielen rein und verbrannten. Die, die Angst hatten, näherzukommen, warfen wir ins Feuer. Die Familienmitglieder flehten uns auf Knien an, es gab kein Mitleid, der Ehemann brannte vor den Augen seiner Fraü und umgekehrt.

Czeslaw 6. gab Befehl zum Schießen, weil angeblich Aufruhr der Gefangenen, weil es brennt, und sie wollen fliehen. So fingen wir an zu schießen. Wir haben geschossen alle in alle.

Wer kann das heute zusammenzählen, paar hundert Getötete könnten es sein. Aus der Nähe, aus der Ferne, wie sie standen oder flohen. Jeder von uns hat laut gezählt, wie viele er hat. D., der Vertreter von Czeslaw G. tötete sechsundvierzig, ich verlor die Übersicht. Aus der Krankenstube zog ich ein altes Weib heraus und zertrümmerte sie gleich am Graben, ich tötete einen Vater von 6 Kindern, denn nach dem Feuer brach er psychisch zusammen.

Die letzte Leiche an diesem Tag war von mir. Mit einem Schuß in den Hinterkopf erschoß ich den Sanitäter, er trug eine Armbinde des Roten Kreuzes, und trug Suppe für ein krankes Kind-. Herbeigerufen habe ich zwei, damit sie ihn auf einer Trage zum Graben bringen, da bei dem Toten das Hirn zu sehen war, befahl ich ihnen, es zu essen. Sie wollten nicht, ich prügelte sie- mit dem Kolben.

Tote und Schwerverwundete haben wir befohlen in Gräben zu werfen und zuschütten. Die Erde bewegte sich, man hörte das Röcheln, die Totengräber mußten solange darauf trampeln, bis sich die Erde aufhörte zu bewegen und es war still.

Durchgeführt wurde die Exhumierung der Leichen von Soldaten der Roten Armee. Wir haben befohlen, die aus der Erde herauszuholen, die ihre (deutsche) Soldaten dort vergraben haben. Mit bloßen Händen, Männern und Frauen. Von den Leichen stank es wie aus der Hölle, verwest waren sie schon so, daß ihre Teile man sogar in den Stiefeln hatte.

In manchen Gräbern waren die Leichen so verwest, daß, wenn wir jemanden reinwarfen, der kam aus dieser schleimigen Masse nicht mehr raus.

Wir vergruben auch solche, die nur ohnmächtig wurden. Sie kamen zu sich als man Sand auf sie schüttete. Sie schrieen wie irre. Totengräber- vergruben sie in so einem Fall im Eil-Tempo.

Wenn mich heute jemand fragen würde, ob ich diese Schreie höre, da nein, ich höre nicht. Für Sünden bereue ich nicht. Amen.

Ignac Sz.“

Mehrere zehntausende solcher Protokolle und Augenzeugenberichte liegen seit ca. 1950 in verschlossenen Archiven der BRD und werden nicht freigegeben - warum bloß ?

Wenn Du noch mehr möchtest brauchst Du nur Bescheid zu sagen

Vielleicht etwas tschechisches ?


Nicht nur der ungarische Halbjude Sandor Kovak war Augenzeuge der lebenden Fackeln. Auch Frau Hildegard Hurtinger, wie oben protokolliert, war Augenzeugin der lebenden Fackeln von Knaben und Mädchen am 20. Mai 1945 auf dem Wenzelsplatz in Prag.

Und Der Tscheche LUDEK PACHMANN, Schachgroßmeister und Publizist, der als Augenzeuge bei dem Einzug von Benesch in Prag im Mai 1945 dabei war, hat die furchtbare Wahrheit der Ereignisse vier Jahrzehnte danach offenbart:

»Am Sonntag, 13. Mai 1945, um 11 Uhr vormittags, kam Dr. Benesch aus seinem Londoner Exil am Masaryk-Bahnhof in Prag an. Vorher hat er von London aus Richtlinien an das tschechische Volk heraus gegeben: »In unserem Land wird das Ende des Krieges mit Blut geschrieben werden ..., der Umsturz muß gewaltsam, muß eine gewaltige Volksabrechnung mit den Deutschen ..., ein blutiger, unbarmherziger Kampf sein!« Wie nirgends zuvor in der Welt zeigte sich bei ihm der über alles hinausgehende Haß in einem unvorstellbaren Ausmaß!

Auf seinem Wunsch und ihm zu Ehren wurden am Wenzelsplatz reihenweise Deutsche, verkehrt, mit dem Kopf nach unten, an Säulen, Bäumen und Anschlagtafeln lebend aufgehängt und mit heißem Teer beschmiert! Als Benesch in seinem Wagen erschien, ertönten Kommandorufe. Die Deutschen überschüttete man gleichzeitig mit bereitgestelltem Benzin oder Öl und zündete sie an. Die in ihrer Todesangst aufschreienden Deutschen wurden durch >Hochrufe< auf den Präsidenten mit >Nazdar< zum Teil übertönt. Um die lebenden Fackeln johlten und tanzten tschechische Frauen. Langsam fuhr Benesch durch das Spalier brennender Deutscher. Die fürchterlichen Schreie hallten durch ganz Prag und lockten immer mehr zu solchen Schandtaten an. Die Schreienden wurden durch Knüppel, Eisenstangen und Stöcken zum Schweigen gebracht. Unkenntliche, verbrannte, blutige Fleischmassen blieben zurück! Danach zwang man Deutsche, die halbverkohlten Leichen herunterzunehmen! Verbranntes Fleisch löste sich und blieb an den Händen kleben. Dann wurde befohlen, die Füße der Toten anzufassen und in die Stefangasse zu schleifen, wo sie neben vielen anderen auf einem Lastwagen abtransportiert wurden. Wohin die Leichen gebracht wurden, konnte nicht ermittelt werden. Bereits am 10. Mai wurden erstmals, >Probefackeln< veranstaltet. Bei der Einmündung der Wassergasse fing es an. Hier wurden drei deutsche Soldaten an der großen Reklametafel verkehrt aufgehängt, mit Benzin übergossen und lebendig verbrannt. Weil sie vor lauter Schmerz fürchterlich schrieen, wurden ihre Köpfe bis zur Unkenntlichkeit blutig geschlagen! - In den Prager Bordells wurden Orgien gefeiert. Dazu suchten die Tschechen Deutsche mit Intelligenzberufen aus! Ihnen wurden die Kleidungsstücke heruntergerissen bis sie nackt da standen. Arme und Beine wurden festgebunden und dann begannen sexuelle Martern, die nicht zu beschreiben sind!«

„Wenn es die Hölle auf Erden gibt, dann gab es sie in Prag !“-schreibt der Tscheche L. PACHMANN weiter: „ Ich berichte das, weil ich davon überzeugt bin, dass es zu einer wahren Völkerverständigung nur kommen kann, wenn sich beide Seiten vorbehaltlos zu dem bekennen, was war !“
__________________________________________________ __


Jürgen Thorwald hat in seinem längst zu den Klassikern der Zeitgeschichte zählenden Tatsachenschilderung „Die große Flucht“,

gestützt auf mehr als 2.000 Dokumente und Augenzeugenberichte, „eines der grauenvollsten Kapitel der deutschen Gegenwarts- Geschichte“ (Deutsche Tagespost) aufgezeichnet. Seine erschütternde Dokumentation befasst sich auch mit den Ereignissen in Prag unmittelbar nach der Kapitulation.

Auch Thorwald bezeugt die „brennenden Fackeln“ in Prag und schreibt weiter (S. 486/7):
„ Waren es noch Menschen, welche deutsche Soldaten, aber ebenso Zivilisten und Frauen mit Stacheldraht zusammenbanden, zusammenschossen und die Menschenbündel in die Moldau stürzten? Waren es noch Menschen, welche deutsche Kinder in den Löschwasserbehältern ertränkten und Frauen und Kinder aus den Fenstern auf die Straßen stürzten? Sie hatten menschliche Gesichter. Aber es waren keine Menschen mehr.

Es waren keine Menschen, welche nackte deutsche Frauen zwangen, Steine fortzuräumen, ihnen dabei die Achillessehnen durchschnitten und sich an ihrer Hilflosigkeit und ihren Schmerzen weideten. Es waren keine Menschen, welche die Deutschen aus dem Behelfsgefängnis der unterirdischen Klosettanlagen am Wenzelsplatz heraufholten, mit Knüppeln niederschlugen und buchstäblich zu Tode traten, und es waren keine Menschen, welche deutsche Mädchen, die ihnen als Wehrmachtshelferinnen in die Hände gefallen waren, nachdem sie ihnen die Kleider geraubt hatten, durch die Foch-Straße nach dem Wolschaner Friedhof trieben und sie dort mit Maschinengewehren zusammenschossen oder mit Schlägen und Bajonettstichen in Heuhaufen hineintrieben, die sie dann anzündeten. Und dies waren nur einige Gipfelpunkte in dem Meer von Unmenschlichkeit, in dem die einfache Erschießung, und sei es die Hunderter von Schülern der Prager Adolf-Hitler-Schule, eine Wohltat schien.“
Soweit Thorwald, die Ereignisse in Prag zusammenfassend.
___________________________________________

Der deutsche Pfarrer Karl Seifert stand am Abend des 20. Mai 1945 in der Gegend von Pirna mit einigen Männern seiner Gemeinde am Ufer der Elbe. Er hatte dem zwischen Härte und Gutmütigkeit unberechenbar hin und her schwankenden sowjetischen Kommandanten seines Ortes die Erlaubnis abgerungen, tote Deutsche zu bestatten, die Tag für Tag an dieses Ufer angetrieben wurden. Sie kamen elbeabwärts aus der Tschechoslowakei. Und es waren Frauen und Kinder und Säuglinge, Greise und Greisinnen und deutsche Soldaten. Und es waren Tausende und aber Tausende, von denen der Strom nur wenige an jenen Teil des Ufers schwemmte, an welchem der Pfarrer und seine Männer die Toten in die Erde senkten und ein Gebet über ihren Gräbern sprachen.

An diesem Abend des 20. Mai geschah es, daß der Strom nicht nur solche Deutsche von sich gab, die zusammengebunden ins Wasser gestürzt und ertränkt worden waren, und nicht nur die Erdrosselten und Erstochenen und Erschlagenen, ihrer Zungen, ihrer Augen, ihrer Brüste Beraubten, sondern auf ihm trieb, wie ein Schiff, eine hölzerne Bettstelle, auf der eine ganze deutsche Familie mit ihren Kindern mit Hilfe langer Nägel angenagelt war. Als die Männer die Nägel aus den Händen der Kinder zogen, da konnte der Pfarrer nicht mehr die Worte denken, die er in den letzten Tagen oft gedacht hatte, wenn er sich mit den Tschechen beschäftigte und wenn Schmerz und Zorn und Empörung ihn übermannen wollten: »Herr, was haben wir getan, daß sie so sündigen müssen.« Dies konnte er nicht mehr. Aber er sagte leise: >Herr, sei ihrer armen Seele gnädig!«“

Eine Ärztin schilderte die tschechischen Teufeleien

in Lager Olmütz-Hodolein:
Eine ehemalige leitende Ärztin des tschechischen Konzentrationslagers Olomouc-Hodolany (früher Olmütz-Hodolein) lege ich folgendes protokollarisch nieder: Im Lager befanden sich z. B. der englische Staatsbürger Frederic Treyhorn, vordem Forstverwalter bei einem deutschen Adeligen in Nordrnähren, die deutsche Jüdin Sternberg mit ihrer schwer herzkranken Tochter aus Olmütz, der deutsche Halbjude Schien aus Namjest, der jahrelang in Buchenwald war, weil er Jude und jetzt bei uns interniert war, weil er Deutscher ist, zwei Zigeunerinnen aus Floridsdorf bei Wien, die auf dem Heimweg aus einem Arbeitslager bei Berlin in Prerau gefangengesetzt, nackt ausgezogen durch die Stadt getrieben und dann nach Hodolany gebracht wurden. Die aktiven kommunistischen deutschen Arbeiter, die auch während des Nationalsozialismus ihrer Überzeugung treu geblieben waren, Th. Alois aus Domstadl, M. Otto und B. Florian aus Bärn, abgesehen von den vielen Kindern, deren einziges Verbrechen war, daß sie als Deutsche geboren wurden.

Das Lager bestand aus dreizehn Baracken, davon waren neun mit Internierten belegt. Eine Baracke war normalerweise für achtzig Menschen berechnet. Unser Gesamtbelag variierte jedoch zwischen 2.800 und dem Höchstbelag von 3.200 nicht verurteilter, nur vorläufig internierter Personen. Sie lagen alle, Männer, Frauen und Kinder, auf dem blanken Fußboden. Meistens wurden die Leute von der Straße weg in die Lager verschleppt. Erst vom Februar 1946 an wurden Holzbetten mit Strohsäcken auf gestellt. Bis zum selben Termin waren die Menschen ohne ein Stückchen Seife, sie arbeiteten und schliefen so zehn Monate lang in derselben Wäsche, in demselben Anzug, bis alles in Fetzen von ihnen hing.

Dann wurde die Erlaubnis zum Paketempfang von zu Hause gegeben. Erst im November 1945, als das ganze Lager bereits verwanzt und verlaust war, wurde auf mein andauerndes Drängen hin von der Lagerleitung eine Desinfektion beschafft. Während der nun laufenden Desinfektion mußten die Leute nackt auf ihre Kleider warten, da sie ja zum Wechseln keine hatten. Während der strengen Wintermonate wurde pro Ofen und Tag fünf Kilogramm Kohle bewilligt, ein Nichts, wenn man bedenkt, daß auf dem blanken Fußboden geschlafen wurde. Das Essen bestand bei zwölf- bis vierzehnstündiger schwerster Arbeit früh aus ungesüßtem Kaffee und 150 Gramm Brot, abends aus einer Kartoffel- oder dünnen Nährmittelsuppe und wieder 150 Gramm Brot, für die im Lager zurückgebliebenen Arbeitsunfähigen und Kranken auch mittags eine Suppe. Durchschnittlicher Kaloriengehalt: 500 bis 600.

Bei der Einlieferung in das Lager wurde den Menschen alles weggenommen, kurz alles, was noch einen Wert hatte. Den Brillenträgern wurden durch Fausthiebe die Brillen zerschmettert. Sie wurden getreten, geschlagen, mußten Kniebeugen machen, bis sie vor Erschöpfung zusammenbrachen. Die WC durften ab 22 Uhr aus Schikane nicht mehr benutzt werden, was deshalb besonders grausam war, weil alle an vermehrter Diarrhö (Durchfall) litten. Da um 3.30 Uhr in der Früh schon „Wecken“ war, war von einer Nachtruhe nicht die Rede. Denn die oft betrunkenen Wachthabenden machten ihre Späße mit den todmüden Menschen oft bis 2 Uhr nachts, wobei „Habt acht“ gestanden und „Stand“ gemeldet werden mußte. Auf unnatürliche Weise kamen von den insgesamt 17.000 Menschen, die durch das Lager gingen, 2.000 ums Lehen. Ich greife nur einige Fälle heraus, deren Tod mir besonders im Gedächtnis haften geblieben ist. Das Folgende kann jederzeit mit vollem Namen belegt werden.

Magistratsdirektor Dr. Z. wurde, nachdem man ihn blutig geschlagen hatte, getötet, indem man ihm einen Schlauch in das Rektum einführte und ihm so lange kaltes Wasser in den Darm einströmen ließ, bis er starb. Ing. H. wurde zweimal wieder abgeschnitten, dann mit einer Riemenpeitsche mit Bleikugeln geschlagen, daß das Gebiet vom Musculus glutaeus maximus (
größter Gesäßmuskel) abwärts bis zur Achillessehne ein anatomisches Präparat von bloßgelegten Sehnen, Blutgefäßen und Nerven war. Darin wimmelten in den heißen Sommermonaten Tausende von Fliegenmaden. Der starke Eiweißverlust und eine hinzutretende Dysenterie (Bakterienruhr) machten der Qual endlich ein Ende. In den letzten Tagen vor dem Tode holte ich den Patienten aus dem Zimmer auf den Armen in den Verbandsraum. Er wog kaum noch 30 Kilogramm. Diese Methode, jemanden langsam sterben zu lassen, war eine der häufigsten. Drei Monate hindurch waren alle maroden Zimmer mit derart zugerichteten Menschen belegt. An eine Heilung war nicht zu denken.

Der furchtbarste Fall war ein 13jähriges deutsches Mädchen, das vergewaltigt worden war und dem davon ein 30 Zentimeter langes Stück Darmschlinge aus der Scheide hing. Der tschechische Professor für Gynäkologie operierte das Mädchen. Es blieb auch am Leben. Da Dr. B. inzwischen verstorben ist, darf ich verraten, daß nach seinem Bericht der Täter ein Kapitän der tschechischen Armee war.

Wegen eines „Aufbegehrens“ gegen ein Mitglied der Wachmannschaften wurde der Schlesier Ing. K. ohne Gerichtsverfahren nach einem Urteil des Majors der Moravske Brigade S. D., der nie einen Fuß in das Lager gesetzt und mit der Lagerleitung nicht das Mindeste zu tun hatte, mit dem Tode durch Erhängen bestraft und zum Vollzug des Henkens wurde der mitinternierte tschechische Kolaborant H. (
Kollaborateur) gezwungen.

Vor dem Galgen waren alle Insassen des Lagers vollzählig aufmarschiert, auch die Kinder.

An zwei aufeinander folgenden Tagen wurden 68 alte Leute des Altersheims Olmütz, die in das Lager gebracht worden waren, in der Nacht von den 17- bis 19-jährigen Wachmannschaften einfach zusammengeschossen, weil sie alt und unnütz waren. Ich habe heute noch das grauenhafte Wimmern der letzten alten Weiblein im Ohr — die älteste war 92 Jahre alt und taub —‚ als man sie roh und unter Schimpfworten „deutsche Säue“ und „germanische Huren“ aus der Baracke zur Exekution zerrte.

Als die Aussiedlung schon begonnen hatte, hörte der 16jährige L. aus Langendorf, Kreis Sternberg, der bei einem tschechischen Bauern als Knecht arbeitete, daß seine Eltern aussiedeln und er heimkommen möchte. Der Bauer jedoch brachte den Jungen wegen Arbeitsverweigerung nach Hodolany ins Lager, dort wurde er so lange mehrmals am Tage blutig und bewußtlos geschlagen und in Dunkel- und Einzelkammern behalten, bis er irrsinnig wurde. In seinen Wahnsinnsdelirien schrie er nach seiner Mutter, sang Hitlerjugendlieder, grüßte mit deutschem Gruß, wenn er seine Suppe bekam, was jedes mal erneut Anlaß gab, ihn wieder niederzuschlagen, obwohl er für sein Tun nicht mehr verantwortlich war. Das mußte doch jeder Laie sehen. Und dies geschah im Mai 1946, ein ganzes Jahr nach den blutigen Revolutionstagen.

Die Erinnerungstage von Lidice, Jezaske und Jawerisko und der Nationalfeiertag des Johann Hus waren Schreckenstage und -nächte. In diesen Tagen wurden auch Frauen mit völlig entblößtem Unterkörper geschlagen. Bei einigen war die seelische Depression so tief, daß sie sich in einer Periode der Melancholie am Fensterriegel erhängten oder sich im Becken des Luftschutzwasserreservoirs ertränkten.

An einem Tag brachte man uns alle Frauen, Kinder und Säuglinge der deutschen Stadt Bennisch (Benisch), 285 an der Zahl. Auch sie lagen auf bloßer Erde. Viele Kleinstkinder starben aus Mangel an Milch, denn auch für sie gab es nur schwarzen Kaffee, wenn nach einigen Tagen die Muttermilch stagnierte. In den kalten Wintermonaten 1945/1946 stahlen 4 Männer ein paar Hände voll Kohlen. Daraufhin sperrte man sie unbekleidet in einen Bunker. Alle kamen nach vier Tagen mit schwersten Erfrierungen wieder heraus. Zwei mußten amputiert werden und starben nach der Operation. Unsere so genannte Rote-Kreuz-Baracke war primitiv. Wohl hatte sie Eisenbetten mit Matratzen, teils Strohsäcken und einer Wolldecke, jedoch ohne wechselbare Überzüge, was infolge der schrecklichen Wunden besonders prekär war, da alles nach kurzer Zeit vor Schmutz, Eiter und während der Desytherieperiode vor Kot starrte und nicht gereinigt werden konnte.

In der maroden Baracke konnten wir uns der Wanzen und Läuse nicht erwehren, bis um die Weihnachtszeit 1945 wie ein Geschenk des Himmels das erste amerikanische DDT verteilt wurde. Wegen des herrschenden Platzmangels lagen in einem Bett zwei bis drei Menschen. Alle Leichname der Verstorbenen und Gemordeten lagen nackt im Gras neben dem Bunker am Ende des Lagers, bis sie abgeholt würden. In Säcken kamen sie namenlos in Gemeinschaftsgräber außerhalb der Friedhöfe. Von der Lagerleitung wollte man mich als leitenden Arzt zwingen, die Totenscheine der Gemordeten mit der üblichen Diagnose „Herzschwäche“ zu unterschreiben. Ich tat dies in keinem einzigen Falle. Die Konsequenz nahm ich auf mich. Leider fanden sich andere deutsche Kollegen, die ihre Unterschrift auf diese lügnerischen Schanddokumente setzten.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt des Schreckens und Leidenszeit von 17.000 deutschen Menschen in einem einzigen der vielen tschechischen KZ in der Zeit vorn Mai 1945 bis Mai 1946. Ich könnte diesen Bericht beliebig fortsetzen, will mich aber mit diesen wenigen Fällen begnügen. Ich habe nie gehaßt und trotz meiner furchtbaren Erlebnisse hasse ich auch heute diese Leute nicht. Auch soll mit diesem Bericht kein Samen zu neuem Haß gelegt werden, das wäre gegen meine Absicht. Ich beeide, daß dieser Bericht die lautere Wahrheit ist.

Nicht schließen möchte ich ihn, ohne still der aufrechten, anständigen Tschechen zu gedenken, deren Namensnennung einer anderen Zeit vorbehalten bleiben muß, die halfen und Böses zu verhindern suchten, die gute Patrioten waren und Menschen geblieben sind. Dr. F.“


Zu zehn und zehn erschossen.

Frau Hildegard Hurtinger gibt zu Protokoll:

„Am 15. Mai wurde ich in meiner Prager Wohnung vom tschechischen Pöbel abgeführt und unter Prügel und Kolbenschlägen an den Haaren ungefähr 500 Meter weit in die Scharnhorstschule geschleppt. Dort wurde ich vollständig ausgeraubt, so daß mir nur Strümpfe und das Kleid, das ich am Leib hatte, blieben. Eine tschechische Kommissarin verhörte mich und behauptete, ich hätte im Jahre 1942, zu einer Zeit, in der ich gar nicht in Prag weilte, sondern in Teplitz, 16 tschechische Personen ins KZ gebracht, die dort umgekommen sein sollen. Bei jeder Verneinung wurde ich geohrfeigt. Dann wurde ich in die so genannte Reparation gebracht, wo ich und meine Mithäftlinge, Männer und Frauen, aufs Grausamste mißhandelt wurden. In der Nacht wurden wiederholt alle Häftlinge auf den Hof geholt, dort zu je 10 Männer, Frauen und Kinder —darunter auch meine zwei Brüder mit Familie — abgezählt und vor den Augen der übrigen Häftlinge erschossen. Das jüngste Kind meines Bruders war 5 Monate alt.

Dann mußten wir Gräber schaufeln, die Leichen entkleiden und vergraben. Außer den offiziellen Hinrichtungen wurde ständig bei Tag und Nacht wahllos in die Häftlinge hineingeschossen, wobei zahllose wehrlose Menschen ums Leben kamen. Bei einer solchen Gelegenheit wurde auch ich durch einen Streifschuß am Hals verwundet. Ich blieb einen Tag und eine Nacht unter den Leichen liegen, da ich es nicht wagte, aufzustehen. Dann stiegen die Tschechen über die Leichen und stachen blindlings mit den Seitengewehren in die noch Lebenden; dabei erhielt ich einen Bajonettstich in die linke Hand. Ich verbiß aber den Schmerz und rührte mich nicht, so „rettete“ ich mich wieder in die Reparation. Einmal bekam ich 8 Tage lang nicht einen Bissen zu essen. Den Kindern wurden die Mahlzeiten aus den Spucknäpfen verabreicht. Kinder, die diese zurückwiesen, wurden erschlagen.

Schwangere Frauen wurden von bewaffneten Tschechinnen aus den Zellen geholt, auf den ..... geführt, dort ausgezogen und verprügelt, darauf in die Aborte gesteckt und solange geprügelt, bis die Frucht abging. Ich selbst mußte mithelfen, die auf diese Weise umgekommenen Frauen wegzuschaffen. Durch viele Tage waren es etwa mindestens 10 Frauen, die so ums Leben kamen.

Bei Tag wurden Gruppen von 6—8 Frauen in die Sankt Gotthardskirche zur Arbeit geführt. Dort mußten wir die schon in Verwesung übergegangenen Leichen küssen, auf Haufen zusammenschichten und den Boden der Kirche von dem dort fließenden Blut reinlecken. Tschechischer Pöbel führte dabei die Aufsicht und verprügelte uns dauernd. Ich sah auch, wie deutschen Männern, darunter einem Ingenieur Färber von der tschechischen Hochschule, mit Kerzen das Hakenkreuz in die Handflächen eingebrannt wurden.

Am 20. Mai 1945 wurden wir zur Arbeit auf den Wenzelsplatz geführt, dort wurden vor unseren Augen deutsche Knaben und Mädchen und auch deutsche Kriegsgefangene an den Füßen an Kandelabern und Bäumen aufgehängt, mit Petroleum übergossen und angezündet.

Ich war bis zum 19. September in der Scharnhorstschule. Die Grausamkeiten erstreckten sich über die ganze Zeit, ohne Unterbrechung. Dann wurde ich nach Pankraz gebracht und von dort aus in die Philips-Fabrik in Prag zur Arbeit eingesetzt.

--------------------------

und es spielte keine Rolle ob Antifa oder sonstwas - Hauptsache deutsch

Antifaschisten und Sozialdemokraten ermordet.

Johann Partisch gibt zu Protokoll:

Am 24. Juni 1945 wurden in Engelsberg durch die so genannte Revolutionsgarde 8 Männer zusammengetrieben, darunter auch ich, und in das KZ. nach Freudenthal gebracht. Wir waren 10 Tage in Einzelhaft und wurden jede Nacht und mehrmals am Tage verprügelt. Die Prügel wurden jede Nacht halbstündlich
6 bis 7 mal wiederholt. Wir waren dadurch alle bis zur Unkenntlichkeit entstellt.

Der schlimmste Tag war der 4. Juli 1945. An diesem Tag begannen die Prügel schon früh. Dann mußten 25 Häftlinge ein Loch graben; beim Graben wurden sie ununterbrochen geprügelt. Hierauf wurden alle Häftlinge um das Loch versammelt. Es wurde ein tschechisches Urteil verlesen, das die meisten nicht verstanden. Dann wurden 20 Männer halb entkleidet aus einer Baracke gebracht, sie mußten sich vor das Loch hinknien und wurden durch 10 Tschechen mit Maschinenpistolen erschossen und in die Grube geworfen. Die zweiten 10 folgten sogleich.

Es befanden sich darunter Wilhelm Banin aus Engelsberg, der Engelsberger Oberlehrer Hermann Just, der als ehemaliger Sozialdemokrat als Staatsbeamter disqualifiziert worden war, der Radiofachmann Frohler aus Freudenthal, der als Antifaschist der deutschen Revolutionsgarde angehört hatte, der Bauer Zimmermann aus Dürrseifen, der nachweislich Fremdarbeiter begünstigt hatte. Der Totengräber Riedl Gustav war in der ersten Gruppe nur angeschossen worden; er erhob sich nach 3 Minuten aus der Grube und bat um noch einen Schuß. Ein Tscheche schoß mit der Maschinenpistole nochmals auf ihn. Nach weiteren wenigen Minuten erhob sich Riedl abermals aus der Grube; es wurde wieder auf ihn geschossen.

Gustav Alraun und Alfred Nickmann, beide aus Engelsberg, hatten die Grube zu schließen. Sie sahen, daß Riedl und noch einige andere noch lebten und von den Tschechen erst mit Kolbenhieben völlig erschlagen wurden.

Die Vorgeschichte der Exekution war:

Zwei Tschechen der Stadtwache waren beim Hantieren mit einer russischen Handgranate verunglückt, einer tödlich, der andere schwer verletzt. Diese Feststellungen wurden von der russischen Stadtkommandantur gemacht. Die Tschechen aber behaupteten, ein Zeitzünder in einem Radiogeschäft sei explodiert, die Deutschen hätten diesen Zeitzünder gelegt. Die Tschechen verlangten gleichzeitig von der russischen Kommandantur zuerst 100, dann 50 Deutsche zu erschießen, was die russische Kommandantur ablehnte. Die 20 Mann wurden schließlich ohne Bewilligung erschossen.

Im Freudenthaler Lager befanden sich Jugendliche im Alter von 11 Jahren aufwärts. Helmut Muhr, 16 Jahre alt, wurde am 26. Juni erschossen, weil er zu seiner Mutter gegangen war. Daraufhin wurde verlautbart, daß jeder Flüchtling bei der Ergreifung zusammen mit 10 Angehörigen seines Lagers erschossen werden sollte, bei Nichtergreifung seine Familie und andere 10 Mann erschossen werden. Den Gastwirt Adolf Thiel aus Neu-Vogelseifen habe ich persönlich mit den Händen verscharrt, weil ich dazu die vorhandenen Spaten nicht benützen durfte.


Masaryk-Stadion in Prag war ein Inferno:

Eidesstattlicher Augenzeugen-Bericht von Frau Josefine Waimann:

Mir fehlen die Worte, um das zu schildern, was in den ersten Tagen im Stadion geschah, in dem nach und nach 40.000 Deutsche zusammengepfercht wurden, ohne Wasser, fast ohne Verpflegung, Männer, Frauen, Kinder, Soldaten. Meine kleinen Kinder weinten vor Hunger.

Vor unseren Augen begann die sadistische Rachejustiz an SS-Leuten und »belasteten« Personen, die auf alle erdenkliche Weise zu Tode gefoltert wurden. Am tiefsten eingegraben hat sich bei mir die Erinnerung an die schwangere Frau, der ganz junge Tschechen in Uniform den Bauch aufschlitzten, den Embryo herausrissen und der Frau, die grauenhaft geschrieen hatte, johlend einen Dackel in den zerrissenen Leib stopften. Wir kauerten auf den Tribünen. Wie im alten Rom wurde vor unseren Augen in der Arena gemetzelt.