Mainz - Jakobsberg

 

Die Mainzer Zitadelle liegt am Rand der heutigen Altstadt und in unmittelbarer Nähe des Südbahnhofs. Das Festungswerk wurde in seiner heutigen Form um 1660 errichtet und ist neben dem Dom eines der historischen Bauwerke in Mainz. Die Zitadelle war Bestandteil der Festung Mainz.

Der Jakobsberg, auf dem die Zitadelle errichtet wurde, war im Mittelalter nur von einem Benediktinerkloster besiedelt (seit 1050). Auf halber Höhe lag das Bühnentheater des römischen Mogontiacum, das zum damaligen Zeitpunkt noch in Resten sichtbar gewesen sein dürfte. Der Jakobsberg war nicht in den Ring der Stadtmauer eingeschlossen und nur sehr leicht umwallt. Diese Lage unmittelbar vor den Toren der Stadt ließ eine strategische Lücke offen, da ein Angreifer den Hügel für einen Einfall nach Mainz hinein oder für eine Beschießung hätten nutzen können. Der Bau der "Schweickhardtsburg" unter Leitung des Domkapitulars Adolph von Waldenburg in den Jahren 1620-29 schloss diese Lücke vorerst ab und verband den Hügel mit der Stadtbefestigung. Den Namen bekam die fünfeckige, unregelmäßige Wehranlage vom Bauherrn, dem Mainzer Kurfürsten Johann Schweikhard von Kronberg.

Um 1655 veranlasste Kurfürst Johann Philipp von Schönborn die Umwallung der gesamten Stadt Mainz mit Bastionen nach französischer Bauart. Im Zuge dieses Festungsbaus wurde die Schweickhardtsburg zur regelmäßigen, viereckigen "Zitadelle", wie wir sie heute kennen, ausgebaut. Das Jakobskloster und den auf der Bastion Drusus stehenden römischen Kenotaph, den „Drususstein“, ließ man innerhalb der Festungsanlage unberührt stehen. Über dem zur Stadt hin liegenden Tor wurde 1696 unter Kurfürst Lothar Franz von Schönborn ein Bau für den Festungskommandanten errichtet. Die schon seit 1660 bestehende Toranlage wurde dabei geschickt in den Neubau integriert. Im Inneren der Zitadelle stand bis zur Belagerung von Mainz 1793 noch das Jakobskloster, das durch den starken Beschuss aber größtenteils zerstört wurde. Der stehen gebliebene Abts- und Fremdenbau wurde fortan nur noch militärisch genutzt. Im Südteil des Hofes war ein barocker Garten angelegt, der noch auf einem Plan von 1804 zu sehen ist.

Als nach den Befreiungskriegen Mainz 1816 Festung des Deutschen Bundes wurde, zogen Preußen und Österreicher in die Zitadelle ein und nutzten sie als Kaserne. Zu diesem Zweck errichteten die Österreicher 1861 die bombensichere "Citadellkaserne"; als Kasino und Küche diente der kleine Bau neben ihr.

Auf der Zitadelle wurde noch 1914 eine "Doppelkompaniekaserne" gebaut; dafür mussten die letzten Überreste des Klosters weichen. Allerdings wurden zahlreiche Architekturelemente des Abts- und Fremdenbaus in den Kasernenbau integriert. Während des Ersten Weltkrieges und des Zweiten Weltkrieges diente die Zitadelle als Kriegsgefangenenlager.

Mit dem Versailler Vertrag von 1919 - und der damit einhergehenden Niederlegung der Festungswerke in und um Mainz - endet die militärische Geschichte der Mainzer Zitadelle. Allerdings suchten noch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges die Mainzer in den unterirdischen Gängen der Bastion Drusus, die als Luftschutzräume ausgebaut worden waren, Schutz vor den Bombenangriffen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmte die französische Besatzungsmacht die Anlage (bis 1955). Heute gehört die Zitadelle der Stadt Mainz und beherbergt zahlreiche städtische Ämter. Die Mainzer Zitadelle steht bereits seit 1907 unter Denkmalschutz. Der Graben im südlichen Teil der Zitadelle steht seit Mitte der 80er Jahre unter Landschaftsschutz. Im Bau D vor dem "Drusus-Stein" ist heute das Stadthistorische Museum untergebracht.

Die Zitadelle und ihre Umgebung dokumentiert die Mainzer Stadtgeschichte auf kleinstem Raum: angefangen von dem römischen Ehrenmal "Drususstein" über die Kasernenbauten der Bundesfestungszeit im 19. Jahrhundert bis hin zu den Luftschutzräumen des Zweiten Weltkrieges.

 

Literatur [Bearbeiten]

  • Initiative Zitadelle Mainz e.V.(Hg.): Zitadelle Mainz. 2000 Jahre Mainzer Geschichte auf engstem Raum. Mainz 2004.

 

Weblinks [Bearbeiten]